Rennradtour in’s Land der tausend Hügel

Die Bucklige Welt ist zugegebenermaßen nicht das Rennradziel Nummer 1 und für Rennradfahrer, die am Ende des Tages eine respektable Kilometeranzahl in Verbindung mit einer hohen Durchschnittsgeschwindigkeit vorweisen wollen, schon allein der Bezeichnung wegen ungeeignet. Nachdem für uns der zweite Aspekt von Vornherein nicht auf der Tagesordnung stand, blieb also nur mehr der Reiz des Unbekannten übrig. Was auch nicht gerade Begeisterungsstürme im Sinne von „na da wollte ich eh schon immer hin“ erwarten ließ.

Trotzdem – oder gerade deshalb – meldeten sich 14 Radkollegen für diese dreitägige Rennradtour an. Obmann Gerhard Trimmel, der bekanntlich einen ausgeprägten Hang zu schmalen Asphaltstraßen über irgendwelche Hügel in unserer Gegend hat, war natürlich auch für das „Land der tausend Hügel“ – so der Werbeslogan der Buckligen Welt – als Organisator bestens geeignet. Nachdem für ausgehungerte Radfahrer eine ordentliche Portion Wirtshauskultur ebenfalls von hoher Priorität ist, logierten wir zwei Nächte im Krumbacherhof, wo die Wiederzufuhr der verbrannten Kalorien auf köstlichste Art und Weise gewährleistet sein sollte.

Jetzt aber genug gefaselt, auf geht’s in’s Land der tausend Hügel!

 

Donnerstag, 25. Juli 2019: Über den Semmering in die Bucklige Welt

Wir starteten von Kirchberg/P. aus über die Gaiseben in Richtung Kalte Kuchl. Von „kalt“ war übrigens schon am Vormittag keine Rede, zudem kündigten die Wetterprognosen für die kommenden Tage Temperaturen jenseits der 30-Grad-Marke an. Mit leichter Gewitterneigung am Samstag, das ließ uns vorerst aber noch „kalt“.

 
  Semmering
   

Nach der Fahrt durch das landschaftlich wunderbare Höllental mit der glasklaren Schwarza, wartete bei Reichenau an der Rax die erste ernsthafte Steigung des Tages. Wir folgten der Straße nach Orthof, die uns anschließend entlang des UNESCO-Weltkulturerbes Semmeringbahn auf den Semmering führen sollte. Dabei passierten wir bei Breitenstein u. a. das zweistöckige „Kalte-Rinne-Viadukt“ mit 46 Metern Höhe und 184 Metern Länge sowie das 151 Meter lange „Adlitzgraben-Viadukt“. Gewaltige Bauwerke, die unter dem Erbauer der Semmeringbahn Carl Ritter von Ghega in den Jahren 1848 bis 1854 errichtet wurden.

 
  Semmering   Semmering   Semmering  
Die Viadukte der Semmeringbahn in Verbindung mit der großartigen Landschaft ergaben allerhöchsten Radgenuss.
 

Dass der Kurort Semmering im 19. Jahrhundert unter der „feinen Gesellschaft“ Wiens eine Hochblüte erlebte, konnten auch wir einigermaßen nachempfinden, als wir an einigen historischen Villen, dem Südbahnhotel und nicht zuletzt am Hotel Panhans Richtung Semmeringpass hochfuhren. Ein wahrhaft geschichtsträchtiger Boden und ein wahrer Genuss, hier mit dem Rad hochfahren zu können!

Nach einer herrlichen Abfahrt durch den verwinkelten, von Felswänden geprägten Adlitzgraben, erreichten wir Gloggnitz, wo wir eine wohlverdiente Mittagspause einlegten.

 
  Gerhard   Semmering   BernhardMichael   Ramssattel  
 

Gut gestärkt, radelten wir über die Burg Kranichberg auf den Ramssattel. Weiter ging es auf einer aussichtsreichen Höhenstraße Richtung Hochegg, die uns neben schönen Ausblicken auf das Semmering-/Wechselgebiet einen ersten Eindruck von der hügeligen Landschaft der Buckligen Welt bot.

Nach einer relativ langen Abfahrt nach Grimmenstein und einem letzten, eher „flachen“ Anstieg über Thomasberg erreichten wir Krumbach in der Buckligen Welt und somit unser Quartier, den Krumbacherhof. Mit einem ersten Glas „Schwarzbräu“ der hier ansässigen Privatbrauerei stießen wir im Gastgarten des Krumbacherhofes auf eine sehr schöne erste Etappe an.

 

Freitag, 26. Juli 2019: Über zahlreiche Riegel durch und vor allem über die Bucklige Welt

Kühriegel, Nestbauernriegel, Lebenriegel, Pfefferriegel, Klausriegel – Nein, das sind keine originellen Bezeichnungen von Müsliriegeln, sondern so nennen sich hier viele der Buckel und Hügel, die mit zahlreichen asphaltierten Nebenstraßen miteinander verbunden sind. Und dass wir die befuhren, ist natürlich klar; zumindest einige davon.

 
  Krumbacherhof
Die Truppe vor dem Start zur zweiten Etappe vor dem Krumbacherhof.
   

Topmotiviert und kurzfristig etwas unorganisiert, starteten wir vom Krumbacherhof los. Unorganisiert deshalb, weil das Navigieren per GPS-Track etwas unterschiedlich ausgelegt wurde, mit dem Ergebnis, dass sich das „Feld“ nach nicht einmal 200 Metern in drei Gruppen aufgeteilt hatte. Die Funktion „zurück zum Ausgangspunkt navigieren“ ist eben mit Vorsicht zu genießen. Und wenn dann noch wer zusätzlich den GPS-Track von Tag 3 lädt, wird’s kompliziert …

Letztendlich haben wir uns aber doch alle wieder bei der Kirche zusammengefunden und nach kurzer Ursachenforschung starteten wir los. Nun auf der „richtigen“ Straße Richtung Schaueregg, die bereits wenig später mit zweistelligen Steigungsprozenten Klarheit über die heutige Tagesform bringen sollte.

 
  Schaueregg
Der Tag der Riegel - wie die Hügel in der Buckligen Welt oft heißen. Eine Rollerpartie war das ganz und gar nicht ...
   

Auf der folgenden Höhenstraße von Ransdorf nach Kirchschlag präsentierte sich uns die Bucklige Welt von ihrer besten Seite: Stets am Bergrücken entlang, führte die einspurige Straße in einem steten Auf und Ab - aussichtsreich über viele Kilometer - Richtung Kirchschlag.

In Kirchschlag angekommen, wartete gleich die nächste Steigung, die uns fast parallel zur vorangegangen Straße nach Gehring hoch führte. Dass es in Gehring eine ca. 100 Meter lange Verbindungsstraße zur vorhin befahrenen Höhenstraße gibt, sei hier nur am Rande erwähnt. Der Umweg brachte uns etwa 10 Kilometer und vor allem 350 Höhenmeter mehr ein. Die hätten uns am Ende des Tages sicher gefehlt …

Egal. Die nächste Schleife wartete – dieses Mal über Feichten, Gleichenbach und Blumau. Alles nette Dörfer, die aber wohl nur für Einheimische ein Begriff sind.

 
  Gehring   Schaueregg   Gleichenbach  
 

Zurück in Kirchschlag war eine mehr als verdiente Mittagsrast angesagt, denn das ständige Auf und Ab in Verbindung mit der großen Hitze setzte uns doch allen sehr zu.

Nach erfolgter Stärkung fuhren wir etliche Kilometer in der Ebene (auch das gibt es tatsächlich) auf dem Radweg nach Bad Schönau. Dort wurde es wieder „interessant“: Nicht nur, weil es hier eine sehr schöne Wehrkirche gibt, die der Bevölkerung in früheren Zeiten als Schutz vor Bedrohungen diente, sondern es gibt auch eine ziemlich steile Straße zum Hutwisch. Dieser ist einer der höchsten Berge in der Buckligen Welt und selbstverständlich fuhren wir hier hinauf. Ehrensache.

Dieser Anstieg war mit seinen steilen Stichen und auch wegen der Länge eine sehr ernsthafte Prüfung. Drei Radkollegen waren daraufhin der Meinung, dass „noch mehr“ jetzt eh nicht mehr kommen könnte und fuhren deshalb direkt zurück nach Krumbach. Der Rest der Truppe fuhr auch in‘s Quartier – aber vorher noch über Hochneukirchen, dann kurz in die Steiermark nach Schäffern und letztendlich über Zöbern nach Krumbach. Auch über diese Zusatzschleife war es sehr „bucklig“.

 
  Feichten
   

Am Ende des Tages standen zwar nur 97 Kilometer und 2000 Höhenmeter am Tacho, es war aber auf Grund der Hitze und der vielen, zum Teil steilen Anstiege ein herausfordernder Radtag. Vor allem aber auch ein sehr schöner Tag, an dem wir vom Radsattel aus die Bucklige Welt mit ihren vielen Hügeln, Wehrkirchen, Kapellen und Marterl entlang der Straßen kennen lernen durften.

Im Gastgarten des Krumbacherhofes stießen wir mit isotonischen Gerstensaftgetränken einer lokalen Privatbrauerei auf den schönen Radtag an. Danach durften wir uns wieder den kulinarischen Genüssen widmen. Prost und Mahlzeit!

 
  Krumbacherhof   Krumbacherhof   Krumbacherhof   Krumbacherhof
Krumbacherhof   Krumbacherhof   Krumbacherhof   Krumbacherhof
 

 

Samstag, 27. Juli 2019: Im Gewitterregen zurück ins Pielachtal

Nach einem ausgiebigen Frühstück im Gastgarten des Krumbacherhofes verabschiedeten wir uns von der Chefin Karin Ottner, die uns alles Gute für die Rückreise wünschte. Ihrem Hinweis „wisst’s eh, in Wr. Neustadt regnet es schon“ wollten wir nicht so recht Glauben schenken, weil der überwiegend blaue Himmel über uns eigentlich gute Bedingungen versprach. Ja, einige Wolken waren auch dabei, aber die ignorierten wir – oder versuchten wir zu ignorieren … Wir sind ja Optimisten. Und abgesehen davon: Nach Wr. Neustadt wollten wir ja sowieso nicht!

 
  Krumbacherhof
  Wirtin Karin Ottner wünschte uns alles Gute für die Heimfahrt. Hier noch bei Sonnenschein in Krumbach.
   

Wir starteten also in Richtung Heimat, aber nicht auf der Hauptstraße, sondern über einige Buckel. Man könnte auch schlicht und einfach „Umweg“ dazu sagen, nur dieses Wort vermeidet unser Streckenplaner wie immer sehr gekonnt.

Zuerst passierten wir Lichtenegg, wo sich der Himmel schon verdunkelte, und danach die Wallfahrtskirche Maria Schnee auf ca. 800 Metern Höhe, wo die tiefhängenden Wolken und der böige Wind nichts Gutes versprachen. Die Bucklige Welt präsentierte sich uns plötzlich von ihrer rauen Seite; die 30 bis 35° Celsius der vergangenen zwei Tage waren hier im wahrsten Sinne des Wortes weggeblasen.

 
  Krumbach Weisses Kreuz   Kaltenberg Maria Schnee   Maria Schnee  
Mit Sonnenschein war's bald vorbei, bei der Wallfahrtskirche Maria Schnee hingen die Wolken bereits bedrohlich tief.
 

Dieser „Weltuntergangsstimmung“ in der Buckligen Welt entflohen wir, indem wir in’s Tal brausten und uns Richtung Ternitz und Puchberg am Schneeberg wandten, denn hier sah der Himmel wesentlich freundlicher aus. Mit viel Rückenwind „flogen“ wir praktisch an Puchberg am Schneeberg vorbei und erreichten relativ schnell Pernitz bzw. Gutenstein.

In Gutenstein war es dann an der Zeit: Zuerst für eine Einkehr und dann für den vorhergesagten Regen. Während wir am Vormittag in der Buckligen Welt noch Glück gehabt hatten, war uns der Wettergott in Gutenstein nicht mehr gnädig gestimmt und ließ es zusätzlich auch noch donnern und blitzen. Vor allem aber: Trotz verlängerter Pause und wiederholtem Zuwarten war kein Ende des Regens in Sicht, die Wolken hangen tief über Gutenstein.

Und so kam wie es kommen musste: Im Regengewand eingepackt, starteten wir zur Weiterfahrt über die Haselrast. Bis auf drei Radkollegen, die fuhren zwar auch los, hatten aber in geradezu atemberaubender Missachtung der morgendlichen Wetterprognosen gar kein Regengewand mit dabei, weil sie es mit ihrem Gepäck unserem Begleitauto übergeben hatten. Die Fahrerin des Autos war aber zu diesem Zeitpunkt längst zu Hause angekommen, was auch im Vorhinein so ausgemacht war …

 
  Haselrast
  Bei Regen, kurzfristig sogar mit Blitz und Donner, fuhren wir über die Haselrast heimwärts.
   

Eine Fahrt über die idyllische und abgelegene Haselrast ist ja grundsätzlich ein Hochgenuss. Dauerregen, tiefhängende Wolken und keine Aussicht auf baldige Wetterbesserung drückten dann doch etwas auf’s Gemüt. „Abwechslung“ brachte nur ein neuerlich aufziehendes Gewitter, das aber glücklicherweise nur einen kurzen Auftritt hatte. Der klassische Landregen blieb uns aber vorerst erhalten.

Richtung Kleinzell und Gölsental kamen zwischenzeitlich weniger Regentropfen vom Himmel. Am letzten Anstieg der Tour über die Gaiseben setzte aber wieder ein ergiebiger Landregen ein und so erreichten wir völlig durchnässt Kirchberg/P. Die obligatorische Einkehr im Gasthaus Kalteis fiel dieses Mal aber in’s Wasser.

 

Summa summarum war es neuerlich eine hervorragende Radreise. Herrliche Landschaften, abwechslungsreiche Radtouren, beste Verpflegung sowie eine angenehme Atmosphäre sowohl während des Radfahrens, als auch danach im Gastgarten. Und dass 14 Radkollegen mit von der Partie waren, ist alles andere als eine Selbstverständlichkeit und darf uns als Radclub auch etwas stolz machen. Besten Dank an dieser Stelle auch an Elisabeth Kendler, die den Gepäcktransport übernahm. Eine Fortführung wird es sicherlich geben. Bis zum nächsten Mal!