Viertägige MTB-Tour durch das Karwendel und um das Wettersteingebirge

Gut Ding braucht Weile! – Dieser Ausspruch passte auch ganz gut für diese viertägige Mountainbike-Tour. Der erste Versuch scheiterte 2017 wegen schlechtem Wetter, 2018 hatte die Andalusien-Radreise „Vorrang“ und so stand die Tour erst 2019 wieder am Programm. Und dieses Mal sollte alles passen. Vor allem die Wetterprognosen, denn die kündigten eine stabile Hochdruckwetterlage an.

Sechs Radclubmitglieder nahmen die Tour in Angriff und radelten von 11. bis 14. September 2019 durch das Karwendel und um das Wettersteingebirge. Eines darf man gleich vorwegnehmen: Es war eine Traumtour, einfach nur fantastisch! Nachfolgend ein kurzer Rückblick auf die vier Radtage, in erster Linie lassen wir aber die großartigen Bilder sprechen:

 

Mittwoch, 11. September 2019: Restl-Essen auf der Alm und eine unfreiwillige Dusche

Nach erfolgter Anreise nahmen wir zu Mittag am Nordufer des Achensees bei Achenkirch die Biketour in Angriff. Zuerst radelten wir Richtung Achenpass, dann wartete der erste längere Anstieg auf uns. Es folgten rund 700 Höhenmeter auf die Rotwandhütte, wo wir der Sennerin sehr willkommen waren, weil wir die letzten Trinkvorräte des zur Neige gehenden Almsommers konsumierten. Und für etwas „Zuaspeis“ war auch gleich gesorgt: „Do schaut’s her, a Packl Keks hob i a no g’funden!“. Na wunderbar …

 
  Rotwandhütte   Rotwandhütte   Sylvensteinstausee  
Im Anstieg zur Rotwandhütte bzw. vor der Hütte. Und genussvolles Radeln am Sylvensteinstausees in Bayern.
 
  Am Weg zur Vereinalm
Bei Vorderriß folgte Teil 2 der Etappe: Über die Vereinalm und die Krinner-Kofler-Hütte führte unser Weg nach Mittenwald.
   

Eigentlich stand von hier aus nur mehr „Ausradeln“ nach Leutasch am Programm, ganz so fein war es dann leider nicht. Vermutlich hat es an diesem Tag in ganz Tirol nur ein einziges Mal irgendwo kurz geregnet. Aber wir waren dabei. Nämlich im Anstieg von Mittenwald nach Leutasch. Und wenn es plötzlich schüttet, dann genügen auch nur einige Minuten bzw. zwei, drei Kilometer. Das war nämlich so ungefähr der Umkreis, wo dieser Wolkenbruch niederging. Dann hilft auch die Hightech-Wasser-weg-Luft-rein-Schweiß-raus-Jacke nichts, weil bis die aus dem Rucksack hervorgekramt war und bis alle möglichen und unmöglichen Reißverschlüsse geschlossen waren - von denen man vorher noch gar wusste, dass man sie hat - war es schon längst zu spät. Abgesehen davon war dieser "Schütter" nach ein paar Minuten wieder vorbei und die restlichen zehn Kilometer bis zu unserem Quartier nach Leutasch erledigten wir sogar auf trockener Straße. Danach folgte die nächste Dusche, aber dieses Mal beabsichtigt, nämlich im Badezimmer ...

 

Donnerstag, 12. September 2019: Auf herrlichen Wegen um das Wettersteingebirge

Nach der gestrigen „Einrolletappe“, die ja auch schon mehr als nur in Ordnung war, folgte am zweiten Tag ein Klassiker. Nämlich die Runde um das Wettersteingebirge und somit um Deutschlands höchsten Berg, die Zugspitze (2.962 m).

Es war ja eigentlich bestes Wetter angekündigt, trotzdem war es an diesem Vormittag bewölkt. Das drückte natürlich nicht auf unsere Stimmung, zumal mit der Fahrt durch das Gaistal eines der (angeblich) schönsten Hochtäler der Ostalpen auf uns wartete. Und es war tatsächlich beindruckend: Zu unserer Linken waren stets die Felsabhänge der Mieminger Kette präsent, zu unserer Rechten das mächtige Wettersteingebirge, während wir auf unseren Rädern durch eine herrliche, sanft ansteigende Almlandschaft fuhren.

 
  Gerhard   Gaistal   Kurios   Ehrwalder Alm  
 

Wir genehmigten uns eine kurze Einkehr auf der Ehrwalder Alm; inzwischen lichtete sich auch die Wolkendecke und die Sonne schien von nun an (und auch für die restlichen Tage) vom blauen Himmel.

Nach Ehrwald folgte nun der Anstieg auf die Hochthörlehütte (ja, auch hier kehrten wir ein) und danach eine lange, einsame Abfahrt zum Eibsee in Bayern.

 
  Ehrwalder Alm   Hochthörlehütte   Hochthörlehütte  
Links auf der Ehrwalder Alm, rechts die schöne Hochthörlehütte.
 

Was in Österreich schon längst verboten wäre (oder von Anfang an nicht erlaubt gewesen wäre), darf man hier: Nämlich mit dem Mountainbike auf einem bestens instand gehaltenen Weg eine Runde um den bezaubernden Eibsee fahren. Auch wenn das Touristenaufkommen hier alles andere als unwesentlich ist.

 
  Am Eibsee
Entspanntes Cruisen am Ufer des idyllischen Eibsees am Fuße der Zugspitze. Ein wahres Naturjuwel.
  Eibsee   Eibsee
   

Am Zielhang der Kandahar-Abfahrt vorbeifahrend erreichten wir danach Garmisch-Partenkirchen, wo wir uns in Partenkirchen ein isotonisches Gerstensaftgetränk gönnten. Und diese Pause war auch notwendig, denn nachdem wir die Skisprunganlage kurz visitiert hatten, fuhren wir die Straße der Partnachklamm hinauf. Genauer gesagt: Schoben wir die Räder die Straße hinauf. Und es war auch keine Schotter-, sondern eine Asphaltstraße, die aber derartig steil ist, dass sie an der Grenze des noch Fahrbahren kratzt, was wohl auch für viele „Kraftfahrzeuge“ gelten mag. Wer sich nun denkt „so arg wird’s schon nicht sein“, dem sei der Versuch einer Befahrung ans Herz gelegt. Wir übernehmen aber keine Haftung, falls wer beim Fahren oder Absteigen die Straße runterfällt …

Nach diesem Abenteuer fuhren wir über Elmau am idyllisch gelegenen Ferchensee und wenig später am Lautersee vorbei nach Mittenwald. Die restlichen Kilometer nach Leutasch kannten wir schon vom Vortag, dieses Mal aber ohne Regen. Geduscht wurde an diesem Tag nur ein einziges Mal, nämlich erst im Quartier.

 
  Skisprunganlage   Partenkirchen   Partnachklamm   Ferchensee  
Die Skisprunganlage als Baustelle, Schafherde in Partenkirchen, der unfahrbare Anstieg durch die Partnachklamm und tolle Abendstimmung am Ferchensee.    
 

 

Freitag, 13. September 2019: Traumtour in der Bilderbuchlandschaft des Karwendels

Die vorangegangene Etappe um das Wettersteingebirge darf zu Recht als „Klassiker“ bezeichnet werden. Auch wenn es nun schwierig ist, eine Steigerungsform für diese Tour zu finden. Denn es wartete „die“ Mountainbike-Tour schlechthin: Scharnitz – Karwendelhaus – Großer Ahornboden. Also die klassische Karwendeldurchquerung.

Für viele Biker ist dies eine der großartigsten Touren, die man in den Ostalpen mit dem Geländerad fahren kann. Bereits in den 1990er-Jahren, als das Mountainbike auch bei uns populär wurde, galt die Karwendeldurchquerung als das ultimative Bike-Erlebnis und keines der aufkommenden Bike-Magazine kam ohne „Karwendel“ aus. Die Tour ist natürlich nach wie vor unfassbar schön, weshalb wir an Stelle von Text von nun an die Bilder dieses Tages sprechen lassen wollen. Und der Schreiberling dieser Zeilen hält sich nun zurück …

 
  Karwendeltal
 
  Karwendeltal   Karwendeltal
   
  Karwendeltal
   
  Karwendeltal   Karwendeltal   Kaiserschmarrn   Karwendelhaus  

 

  Karwendeltal
 
  Karwendelhaus   Karwendeltal
   
  Karwendelhaus Kleiner Ahornboden
   
  Karwendelhaus   Grosser Ahornboden
   
  Binsalm

 

Diesen wunderschönen Bildern ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen. Am späten Nachmittag fuhren wir dann vom Großen Ahornboden noch knackige 250 Höhenmeter zur Binsalm hinauf, denn dort oben war unserer Quartier für die kommende Nacht reserviert. Nach einem ausgezeichneten Abendessen ließen wir bei einigen Gläsern Bier diesen sensationellen Bike-Tag Revue passieren. Prost!

 

Samstag, 14. September 2019: Über’s Plumsjoch – komischer Name, super Tour!

Nach der „Hüttengaudi“ auf der Binsalm starteten wir in der Kühle des Morgens bergab zu den Engalmen. Wie am Vortag durften wir die Einzigartigkeit des Großen Ahornbodens, der auf beiden Seiten von steil aufragenden Bergen begrenzt wird, nochmals genießen. Dieses Mal in die andere Richtung. Und ja, Bilder zum Herzeigen gibt es auch wieder ...

 
  Binsalm   Grosser Ahornboden
   
  Grosser Ahornboden
   Start auf der Binsalm, vorbei an den Engalmen und talauswärts am Großen Ahornboden.
  Grosser Ahornboden
 
Man muss an dieser Stelle unseren Obmann lobend erwähnen: Er ist bekanntermaßen nicht nur ein tadelloser Radlfahrer und perfekter Reiseorganisator,
sondern auch ein wirklich guter Fotograf, wie dieses Meisterbild eindrucksvoll beweist. Eigentlich ist das Bild sensationell!

 

Am Ende des Ahornbodens wartete die einzige nennenswerte Steigung dieses Tages, nämlich jene auf das Plumsjoch. Bei den frischen Frühtemperaturen kam uns das Bergauffahren durchaus willkommen.

Schneller als gedacht erreichten wir das Plumsjoch auf rund 1.650 Metern und die gleichnamige Hütte. Ein Hungergefühl war zwar nicht wirklich vorhanden, aber wenn es fernab der Zivilisation, noch dazu in dieser wunderbaren Bergwelt schon ein von Menschenhand gebautes Refugium gibt, dann kann man die Hüttenwirtin nicht „links“ liegen lassen … Und so haben wir soziale Kompetenz bewiesen, indem wir auf der Plumsjochhütte einkehrten. Das war auch alles andere als ein Fehler, denn wir speisten nochmals ausgezeichnet, genossen die warme Herbstsonne und die fantastische Aussicht in das Karwendel. Auch das war ein Genuss der Extraklasse.

 

  Plumsjoch  
 
  Plumsjoch   Plumsjoch   Plumsjoch   Plumsjoch  
  Der schöne Anstieg auf das Plumsjoch. Bei der Plumsjochhütte fuhren wir dann auch nicht vorbei ...  
  Plumsjoch   Plumsjoch 
  Plumsjoch

 

Irgendwann mussten wir aber doch aufbrechen und nach den letzten paar Höhenmetern hinauf auf das Plumsjoch auf 1.669 Metern folgte die Abfahrt zum Achensee. Eine Abfahrt, die wegen ihrer Steilheit, des teilweise tiefen und dann wieder groben Untergrundes eine durchaus ernstzunehmende Herausforderung an unsere Fahrkünste darstellte. Erwähnt sei an dieser Stelle, dass wir von dieser schwierigen Passage schon im Vorhinein wussten und dass dies die einzige, nennenswerte fahrtechnische Prüfung der gesamten vier Tage war.

 

  Plumsjoch   Plumsjoch   Plumsjoch  

 

Mit heißen Bremsscheiben erreichten wir den Talboden bzw. die Gern Alm und in flotter Fahrt ging es zum Ufer des Achensees nach Pertisau. Zum Abschluss folgte eine dreiviertel Runde am Radweg um den wunderbaren Achensee, denn unsere Autos standen in Achenkirch am Nordufer des Sees. Und schneller als gedacht erreichten wir auch unseren Ausgangspunkt in Achenkirch, wo eine traumhafte Tour schon wieder zu Ende ging.

 

  Achensee

 

Zusammenfassend sei erwähnt, dass diese vier Bike-Tage grandios in jeder Hinsicht waren und allen Teilnehmern lange in Erinnerung bleiben werden. Das bisherige Mountainbike-Highlight aus Vereinssicht war für viele die Mountainbike-Reise nach Neukirchen am Großvenediger im Jahr 2016, diese Runde um das Wettersteingebirge und durch das Karwendel ist aber wohl nochmals eine Stufe darüber zu stellen. Es war ein Erlebnis der Extraklasse! Danke! Und ja, eine Wiederholung irgendwann wäre wünschenswert …