Radtour zum Geischlägerhaus am Hochkar

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Josef Kaliwoda im ersten steilen Stück
 
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 Heinrich Enne im Schlussanstieg.
 
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 Ziel in Sicht, aber es wird nochmals steil.
 
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 Die Teilnehmer vor dem Geischlägerhaus.
 

„Warum in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?“ Klarerweise hat Johann Wolfgang von Goethe damit nicht eine Radtour zum Geischlägerhaus am Hochkar gemeint; doch lässt sich diese Weisheit ganz gut auf unsere am 8. Juni 2013 absolvierte Rennradtour ummünzen. Oftmals sind (Rennrad)Fahrer der Meinung, das Kitzbühler Horn unter die Räder nehmen zu müssen, um etwas „wirklich Schwieriges“ fahren zu können. Die Reise ins heilige Land Tirol kann man sich als Ost-Österreicher aber auch ersparen, denn das heimische Hochkar und die Weiterfahrt zum Geischlägerhaus ist wie ein Spiegelbild des Kitzbühler Horns und die weitere Auffahrt zum Sender am Gipfel. Da und dort sind sehr gute Kletterqualitäten und ein hohes Maß an Leidensfähigkeit gefragt. Aber alles der Reihe nach …

Ein Kaltwettereinbruch Anfang Juni 2013 in Verbindung mit viel Niederschlag bescherte dem Hochkar nochmals einiges an Neuschnee, dazu kamen noch sehr wechselhafte Wetterprognosen für unsere geplante Tour. Der Wettergott hatte aber ein Einsehen und den Vorhersagen zum Trotz strahlte am Samstag, den 8. Juni die Sonne vom Himmel. Auch der Neuschnee am Hochkar sollte kein Problem mehr sein. Wohl auch aus diesen Gründen standen neun Mitglieder mit dem Hang sich zu quälen am Start.

Nachdem ja bereits in der Vergangenheit einige „Schauergeschichten“ die Runde machten, war der Respekt unter den überwiegend „Premiere-Fahrern“ entsprechend groß und so ging es in sehr moderatem Tempo Richtung Frankenfels. Dort wartete aber gleich das erste Hindernis, denn eine Motor(sport)veranstaltung blockierte den direkten Weg nach St. Anton/Jeßnitz, wodurch wir einen Umweg über den Schlagerboden nehmen mussten.

„Problem“ Nummer zwei war gleich darauf eine großräumige Umleitung wegen Asphaltierungsarbeiten zwischen Neustift und Gamming. Aber Dank des Radweges konnte uns auch das nicht aufhalten und so ging es über Pfaffenschlag nach Lunz/See und weiter nach Göstling/Ybbs.

An der Mautstelle der Hochkar-Alpenstraße begann jedoch dann der Ernst des (Radler)Lebens. Denn im Vergleich mit dem heimischen Luftberg geht hier mit locker Bergauf-Rollen nicht viel. Die Mautstraße stellt sich mit überwiegend zweistelligen Steigungsprozenten dem Radfahrer entgegen und ist somit eine überaus seriöse Herausforderung. Gibt es zu Beginn noch das ein oder andere etwas weniger steile Stück, galt es vor allem im oberen Teil der Straße, ständig „auf Druck“ zu fahren. Bei permanenten 12 bis 15 % hieß es, sich die Kräfte gut einzuteilen, denn das eigentliche Kriterium wartete ja noch auf uns.

Nach dieser Vorspeise, die einer Vielzahl an Alpenpässen um nichts nachsteht, erreichten wir auf ca. 1.440 Metern Höhe den Parkplatz des Skigebietes und bogen auf die schmale Straße Richtung Geischlägerhaus ab. Auf quaeldich.de heißt es dazu sehr treffend: „Ab hier bieten Berg und Straßenbauer alles auf, um den Radfahrer seine Schwächen aufzuzeigen.“

Was während des Skibetriebes als blaue Piste ausgewiesen ist, auf der sich mehrheitlich Anfänger tummeln, stellt sich im Sommer als extrem steile Rampe heraus, die dem Radfahrer alles an Willen und körperlichen Einsatz abzuverlangen vermag. So etwa gleich der erste Teil, der von der Skihütte von Thomas Sykora bis zur Bergstation des Vierersesselliftes führt: Steigungsprozente um die 25 % über fast die gesamte Länge und eine schmale Straße auf der Schlangenlinien fahren fast nicht möglich ist. Dass im Sommer auch noch braune Hinterlassenschaften der weidenden Kühe auf dem Asphalt hinzukommen, sei nur am Rande erwähnt und macht die Angelegenheit noch delikater. Letzteres blieb uns zumindest erspart, vielmehr gaben die übrig gebliebenen Schneefelder entlang der Straße ein interessantes Bild ab – zumindest für jene von uns, die dafür noch einen Blick übrig hatten.

Bis auf einige Verschnaufpausen erreichten aber alle Teilnehmer fahrend das Geischlägerhaus auf 1.770 Metern Höhe. Der herrliche Rundumblick und die alpine Landschaft entschädigten zumindest einigermaßen für die Anstrengungen der Auffahrt. Nach einer ersten „Analyse“ des Erlebten und einer kurzen Erholungspause ging es in die Abfahrt, die auf Grund des starken Gefälles sowie der schmalen Straße auch hohe Anforderungen an die Fahrkünste des Pedaleurs verlangt.

Während der Heimreise wurden die verbleibenden Kräfte mobilisiert, vor allem aber wartete mit dem Schlagerboden und dessen Auffahrt von St. Anton/Jeßnitz nochmals ein giftiger Anstieg, bei dem einige schon etwas am berühmten Zahnfleisch fuhren.